Wie sie sehen, ist der Schlaganfall nicht nur die zweithäufigste Todesursache, es werden sogar noch, ähnlich wie bei vielen anderen schwerwiegenden Erkrankungen, immer mehr. Dies liegt vor allen Dingen am Problem unserer Gesellschaft:
Dass unsere Gesellschaft immer ungesünder lebt, muss mittlerweile nicht mehr diskutiert werden. Wo man vor 100 Jahren noch 20 Kilometer am Tag gelaufen ist, läuft der Mensch heutzutage im Durchschnitt nur noch 800 Meter am Tag. Dies hat sich während des Lockdowns noch einmal reduziert auf nur noch 200 Meter täglich. Ernährungstechnisch ist die Lage ähnlich: Dort, wo in Deutschland vor 160 Jahren im Durchschnitt 2120 Kilokalorien täglich konsumiert wurde, liegen wir heutzutage bei 3.539 Kilokalorien pro Tag.
In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, wir haben die Energiezufuhr um 166% gesteigert haben, obwohl wir uns zu 96% weniger im Alltag bewegen. Dieser chronische Bewegungsmangel in Kombination mit einem ungesunden Lebensstil ist hauptverantwortlich dafür, dass heutzutage zwei Drittel der Männer (67%) und die Hälfte der Frauen (53%) übergewichtig sind 41Zusätzlich führt dieser ungesunde Lebensstil zu Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkte, Demenz und vielen weiteren sogenannten “Alterserkrankungen”. Damit ist dieser ungesunde Lebensstil Hauptrisikofaktor für jede der obenstehenden häufigsten Todesursachen (Ursächlich in ca. 50% – 90% der Gesamterkrankten, je nach Krankheit unterschiedlich)!! Die WHO rechnet mit ca. 50 Millionen Menschen die Jährlich an den Folgen ihres schlechten Lebensstiles weltweit versterben. Das sind etwa 75% der Gesamttodesfälle, also jedes Jahr ca. 60% der deutschen Bevölkerung.
Klassifikation
In der Medizin wird zwischen 2 verschiedenen Schlaganfallarten unterschieden: Dem ischämischen Schlaganfall und dem hämorrhagischen Schlaganfall. Der ischämische Schlaganfall entsteht durch ein verstopftes Hirngefäß, sodass der darauffolgende Gehirnteil aufgrund einer Unterversorgung abstirbt. Der Hämorrhagische Schlaganfall entsteht durch ein gerissenes Gefäß, sodass nicht nur der nachfolgende Bereich nicht mehr versorgt wird, sondern es auch zu Einblutungen ins Gehirn kommt, sodass zusätzlich auch andere entfernte Teile des betroffenen Bereichs im Gehirn beschädigt sein können. Dies ist auch der Grund, weshalb diese Variante die tödlichere von beiden ist (Ischämisch 8% – 12% Sterblichkeit vs. Hämorrhagisch 37% – 38%).5,9 Der ischämische Schlaganfall tritt mit 80-85% allerdings häufiger auf als der hämorrhagische Schlaganfall. 4
Ursachen:
Ischämischer Schlaganfall:
Die häufigste Ursache für einen Schlaganfall ist eine Embolie, also eine Verstopfung der Gefäße durch eine Blutverklumpung (diese bildet sich meist im Herzen).10 Aber auch andere Fremdkörper, welche eine Arterie Verstopfen können, führen zu einem ischämischen Schlaganfall, also z.B. verkalkte Arterien, Tumore oder Entzündungen.
Hämorrhagischer Schlaganfall:
Bei den Hämorrhagischen Schlaganfällen wird zwischen zwei Ursachen unterschieden. Zum einen die Verletzung durch einen Unfall oder Ähnlichem, zum anderen der sogenannte schleichende Verlauf, welcher durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt wird (Risikofaktoren siehe unten). Durch diese Risikofaktoren können Erkrankungen wie Thrombosen, Blutgerinnungsstörungen, Aneurysmen (Krankhafte Ausweitung der Wand eines Blutgefäßes), Blutgefäßentzündungen und einige Weitere entstehen, welche dann zu einem Schlaganfall führen können. 14
Risikofaktoren: 7,9
Veränderbar:
- Übergewicht (Ursächlich in 26,5% der Fälle) 8
- Diabetes (ums 1,5 bis 2-fache erhöht) 58
- Rauchen
- Bluthochdruck (ums 4-fache erhöht)
- Ernährung
- Bewegungsarmut
- Alkoholkonsum und der Konsum anderer Drogen (vor allen Dingen Kokain und Amphetamin)
- Medikamente (teilweise Antidepressiva (Monoaminoxidase Inhibitoren), teilweise Gewichtsabnahme Pillen (Phenylpropanolamin))
Zusätzlich veränderbar ischämischer Schlaganfall:
- Infektionserkrankungen
- Vorhofflimmern und andere Herzerkrankungen
- hohe Blutfettwerte
Zusätzlich veränderbar hämorrhagischer Schlaganfall:
- Dialysepflichtig (5- Faches Risiko)
- Blutverdünner (7 – 10-Faches Risiko)
- Andere Medikamente wie Aspirin (sorgen für größere Bluteinlagerungen und damit für einen Schlimmeren Verlauf und einer höheren Sterblichkeitsrate) 11,12,13
Nicht veränderbar:
- Genetische Faktoren (Blutgefäß Abnormalitäten etc.)
- Alter
- Geschlecht
- Herkunft (dabei sind schwarze Personen-> aufgrund der verminderten Vitamin D Aufnahme, und Bewohner aus Küstengebieten häufiger betroffen) 9,20
Symptome:
Die Symptome eines Schlaganfalls sind abhängig von dessen Schwere, der Größe und der Lokalisation.
Beim ischämischen Schlaganfall tritt meist eine plötzliche Schwäche, Spastik (krankhaft erhöhte Muskelspannung) oder Lähmung in einem Arm, Bein oder einer der Gesichtshälfte auf. Auch Probleme beim Sprechen, Verwirrtheit, Sehstörungen oder plötzliche starke Kopfschmerzen können auftreten. Allerdings variieren diese Symptome in Abhängigkeit der Lokalisation des Infarkts. 16
Beim Hämorrhagischen Schlaganfall tritt meist eine Kombination aus starken Kopfschmerzen, erhöhtem Blutdruck und einem veränderten Bewusstseinszustand auf. In einigen Fällen (je nach Lage der Störung) Schwindel, Erbrechen, Schwäche oder Taubheit in Gesicht, Arm oder Bein (meistens auf einer Körperseite), Sehstörungen und Gleichgewichtsproblematiken. Auch hier gilt, dass die Symptome abhängig von der Lokalisation variieren können. 5,16
Prognose:
Die Prognosen bei Schlaganfällen sind sehr unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig. Beim Ischämischen Schlaganfall versterben durchschnittlich ca. 8% – 12%, beim hämorrhagisch Schlaganfall 37% – 38%. 5,9 Hat man also bis ins Krankenhaus überlebt bestimmen Infarktgröße, Dauer bis zur Krankenhausankunft, vorhandene Hirnaktivität, Ausprägung der Schwäche/Lähmung der Arme und Beine und einige andere Faktoren den Heilungsverlauf. Dort kann mit einigen Tests die Wahrscheinlichkeit eines guten Verlaufs festgestellt werden. Kann der Betroffene nach 6 Monaten Treppenstufen überwinden, kann er wahrscheinlich wieder früher im Alltag gehen. Je besser die Finger Streckung einzelner Finger, desto besser wird wahrscheinlich die Armfunktion. Nach der Reha hatten Patienten zu 14% sehr starke Funktionseinschränkungen, 6% starke Einschränkungen, 8% mittlere Einschränkungen, 26% geringe Einschränkungen und 46% keine Einschränkungen. Allerdings besteht eine Wahrscheinlichkeit von 15% – 40%, dass der Schlaganfall trotz Medikation erneut auftritt. Dabei ist der Zweitinfarkt meist folgenschwerer als der Erste. 17,18,19