Spätphase
Nachdem nun die Leistungsfähigkeit in Form von Maximalkraftleistungen wieder hergestellt wurde ist der nächste Schritt die Strukturen an die Geschwindigkeit anzupassen. Für die Rückkehr in den Sport ist es von hoher Bedeutung den Athleten an die Anforderungen der Sportart langsam heranzuführen. Dazu gehören anfänglich einfach Sprungvariationen, ABC-Läufe bis hin zu komplexen Richtungswechsel mit hohen Geschwindigkeiten.
Warum ist die Geschwindigkeit so wichtig?
Bei hohem Bewegungstempo, etwa bei Sprints oder Sprüngen, wirken größere Kräfte auf die Gelenke als bei langsamen Kraftübungen. Zudem haben Strukturen wie Sehnen, Bänder und Menisken nur einen kurzen Moment, um diese Kräfte zu verteilen, was sie enorm belastet.
Ein kurzes Beispiel: Viele haben schon einmal Kieselsteine übers Wasser flitschen lassen. Nach mehreren Versuchen bemerkt man häufig ein Ziehen in der Schulter. Dies liegt genau an dem oben beschriebenen Prinzip. Fußballspieler, die viele schnelle Sprints und Richtungswechsel machen, haben ein höheres Risiko für Verletzungen.
Wirfst du nun einen schweren Steins kannst du diesen nur langsam werfen. Dies erlaubt eine gleichmäßigere Kraftübertragung. Kniebeugen oder langsamen Ausfallschritten, führen zu einer besseren Druckverteilung auf den Meniskus.
Schnellkraft und Explosivkrafttraining
Beim Schnelligkeitstraining legen wir großen Wert auf eine progressive Belastungssteigerung – nicht jede „schnelle Bewegung“ ist gleich. Erst nach Erreichen eines Meilensteins (kriterienbasiertes Vorgehen) erfolgt der nächste Schritt. Unser Ziel bleibt, dich mit stabilem Knie und gutem Gefühl zurück in den Sport zu bringen.
Zu Beginn steht das Schnellkrafttraining, welches durch hohe Bewegungsgeschwindigkeit und Krafteinwirkung das Bindegewebe weiter anpasst. Zudem verbessert es die neuromuskuläre Ansteuerung: Das zentrale Nervensystem lernt, Kraft gezielt und koordiniert einzusetzen und trägt maßgeblich zur Gelenkstabilisation bei.
Nach Erfüllen der geforderten Kriterien folgen Sprungformen mit Zusatzgewicht, unterteilt in:
- Positive Beschleunigung – Sprünge auf eine Box
- Negatives Bremsen – Sprünge von einer Box herunter
- Reaktivsprünge – Von einer Box abspringen und sofort erneut springen
Die Reihenfolge der Sprungformen ist dabei von weniger zu höherer Belastung geordnet. Parallel starten erste multidirektionale Sprungvariationen, die sportartspezifische Bewegungen nachbilden – ebenfalls progressiv aufgebaut.
Agillity High Load und neurokognitive Anpassungen
Zum Abschluss liegt der Fokus auf schnellen Richtungswechseln und Sprintmanövern, die hohe (neuro-)muskuläre Kontrolle erfordern, da sie den Verletzungsmechanismus nachahmen.3 Lauf- und Sprintvariationen mit plötzlichen Richtungswechseln werden individuell an Niveau und Sportart angepasst.
Viele Sportler verlassen sich zunehmend auf ihre Augen statt auf ihr Körpergefühl (Propriozeption), was als neurokognitive Abhängigkeit bezeichnet wird. Im Alltag unproblematisch, kann dies im Sport, besonders bei schnellen und unvorhersehbaren Bewegungen, zu Koordinationsfehlern führen. Da Bewegungen bewusst gesteuert statt automatisch abgerufen werden, steigt das Verletzungsrisiko in stressigen Spielsituationen.
Um dem entgegenzuwirken, kombinieren wir Kraft- und Geschwindigkeitstraining mit neurokognitivem Training. Dual-Task-Übungen, die körperliche und kognitive Aufgaben verbinden, spielen dabei eine zentrale Rolle. Mithilfe unseres „Skill Court“ werden reaktive Übungen integriert, die auf unerwartete Signale oder Richtungswechsel reagieren lassen.
Ziel ist es, Bewegungen wieder automatisiert und sicher auszuführen. Durch das Zusammenspiel von Wahrnehmung, Antizipation und Entscheidungsschnelligkeit werden alle relevanten Systeme optimal geschult.
Mannschafttraining
Um den Sportler taktisch und technisch wieder in seinen Sport zurückzuführen ist es nach Bestehen der Kriterien für den Athleten möglich an gewissen Teilen des (Mannschaft-)Trainings wieder teilzunehmen. Dies geschieht unter Absprache des Therapeuten und wird weiterhin kontrolliert.
Fokus dieser Phase:
✔ Anpassung der Strukturen an Geschwindigkeit
✔ Verbesserung der neuromuskulären Steuerung
✔ Optimierung von Reaktion, Wahrnehmung & Richtungswechseln.
✔ Sicherer Übergang in den Wettkampfsport.