Späte Anfangsphase
Mit Beginn der nächsten Phase solltest du alltägliche Aufgaben wie Haushalt und Einkaufen weitgehend problemlos bewältigen können. Der Fokus der Therapie liegt nun stärker auf Trainingsinterventionen. Ziel ist es, die Wundheilung weiter zu unterstützen und die Belastbarkeit des Gewebes zu stärken. Reaktionen wie Schmerz, Schwellung, Wärme oder verändertes Bewegungsausmaß während und nach einer Übung helfen, die optimale Belastung und Trainingsintensität einzuschätzen und Überlastungen zu vermeiden.
Sensomotorisches Training des betroffenen Beines in Low Load
Low Load bedeutet in diesem Sinn eine geringe Belastung. Das Hauptaugenmerk liegt auf der gezielten und koordinierten Aktivierung der gelenkumgebenden Muskulatur. Durch die Verletzung und dem Wegfall von Rückmeldungen aus dem ursprünglichen Kreuzband verringern sich sowohl der gezielte Krafteinsatz der Muskulatur als auch die Koordination. Zu Beginn werden verschiedene Gangarten und Variationen trainiert. Ein hohes Maß an Bewegungskontrolle und -qualität ist dabei grundlegend. Zudem stehen erste Einheiten an Trainingsgeräten sowie beidbeinige Übungen im Fokus, um Kontrolle und Sicherheit wiederzuerlangen.
Restkörpertraining
Auch bei einer Kreuzbandverletzung darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die restlichen zwei Drittel des Körpers gesund und funktionsfähig sind. Um einem drohenden Muskelmasseverlust entgegenzuwirken, sollten die nicht betroffenen Körperteile möglichst zeitnah und intensiv trainiert werden. Dies hat nicht nur den Effekt, dass das Leistungsniveau erhalten bleibt, sondern unterstützt auch die Wundheilung durch die Ausschüttung körpereigener Stoffe (Myokine). Ein ausgewogenes Krafttraining gibt dir nicht nur die Stärke zurück, sondern hilft dir auch, das Vertrauen in deinen Körper wiederzugewinnen – du wirst spüren, wie belastbar und funktionsfähig du Schritt für Schritt wieder wirst!
Myokine und Wachstumsfaktoren
Krafttraining stimuliert die Freisetzung von Proteinen, die in den Skelettmuskeln produziert werden (Myokine) und sowohl lokal als auch im gesamten Organismus wirksam sind. Myokinen wird eine große Bandbreite an positiven Effekten zugeschrieben, und sie unterstützen deinen Rehabilitationsprozess erheblich. Dazu gehören:
✅ Muskelabbau verhindern → Unterstützt Erhalt und Aufbau trotz reduzierter Belastung
✅ Schmerzlinderung → Entzündungshemmende Wirkung kann Schmerzen reduzieren
✅ Verbesserte Heilung → Fördert Geweberegeneration und Wundheilung
✅ Stoffwechselunterstützung → Reguliert Blutzucker & Fettstoffwechsel auch bei Immobilität
✅ Psychische Wirkung → Fördert Wohlbefinden & kognitive Funktionen
Durch die beim Restkörpertraining freigesetzten Myokine, profitiert nicht nur die lokal arbeitende Muskulatur, sondern auch der Wundheilungsprozess sowie Aufbauprozesse in der gesamten betroffenen Struktur werden positiv beeinflusst.
Fokus in dieser Phase:
✔ Erarbeitung Vollbelastung
✔ Beüben symmetrischer Bewegungsmuster
✔ Freies Gehen ohne Gehstützen
✔ Weiterhin Verbesserung Beweglichkeit (bis hin zur vollen Beweglichkeit)
✔ Beginn beidbeiniger Kraftübungen
✔ Steigerung der Intensität und Umfang in den Übungen (Gewicht, Wiederholungszahl)