Es gibt viele Behauptungen über Massage, die allzu fragwürdig sind. Hier ist eine Liste der häufigsten Mythen:
- Massage löst Verspannungen und das ist wichtig.
“Ich löse dir den Spannungspunkt” oder “Dieser Muskelstrang ist total verhärtet” sind übliche Zaubersprüche in der Massage. Es ist nicht bewiesen, dass ein Muskel mit erhöhter Spannung Schmerzen verursacht. Die Gewebestruktur korreliert nicht mit Schmerzen und anderen Symptomen. Dazu wurden Untersuchungen durchgeführt, bei denen die Therapeuten gebeten wurden, bei Rücken- und Nackenschmerzpatienten die schmerzhafte Seite nach dem Gefühl von Gewebespannung zu lokalisieren und es stellte sich heraus, dass die Therapeuten hier hoffnungslos versagten. 7
- Massage erhöht die Durchblutung.
Dies ist eine der am häufigsten angeführten Begründungen für die Anwendung von Massage, jedoch entspricht sie eindeutig nicht den Tatsachen. 8, 9, 10, 11, 20 Aber selbst wenn Massage die Durchblutung fördern würde, wäre dieser Effekt durch Training viel stärker. Durch das Aktivieren der tief liegenden Strukturen beim Training, werden diese mit Blut versorgt. Durch eine Massage werden eher oberflächliche Strukturen vermehrt durchblutet.
- Massage transportiert Abfallstoffe und Milchsäure aus den Muskeln.
Entgiftungsmythen gehören zu den peinlichsten aller Massage-Mythen und sind leider absoluter Blödsinn.12,20 Massage ist nicht in der Lage Stoffe aus dem Körper zu entfernen oder transportieren, sondern erzeugt wahrscheinlich einen leicht toxischen Zustand. Dies ist grundsätzlich nicht schlecht oder schädlich und ist beispielsweise auch beim Krafttraining der Fall. Es erklärt, warum Menschen nach der Massage Symptome wie Muskelkater haben können.
- Massage hilft bei Muskelkater.
Massage kann ironischerweise auch Muskelkater verursachen, obwohl sie oft als Mittel gegen diesen gilt. Einige Studien haben zwar gezeigt, dass Massage die Symptome von Muskelkater leicht lindern kann, doch die Effektivität ist begrenzt. 13 Es ist sicher kein Wundermittel, das die Regeneration merklich beschleunigt. 14
- Massage reduziert Cortisol.
Dies ist eine viel spezifischere Idee als „Massage reduziert Stress“. Cortisol, das sogenannte “Stresshormon“, wird zu Recht als Bösewicht angesehen und seine Reduzierung wird oft als sinnvolle Rettung gegen chronische Angstzustände, Depressionen oder Schmerzen angepriesen. Leider ist der Beweis, dass Massage wirklich etwas Nützliches gegen die Produktion von Cortisol bewirkt, nicht eindeutig. Allgemein zitierte Forschungsergebnisse weisen erhebliche Mängel auf.17 Allerdings ist die Physiologie von Stress komplex, und eine alleinige Reduktion des Cortisolspiegels durch Massage garantiert sowieso nicht zwangsläufig eine umfassende Linderung von chronischer Angst, Depression oder Schmerz. Daher sollten verschiedene Methoden zur Stressbewältigung und Gesundheitsförderung integriert werden.
- Massage kann Muskel-, Binde-, Faszien-, Narbengewebe glätten, lösen oder verlängern.
Strukturalistische Techniken, wie die Massage, zielen darauf ab, Muskeln oder Bindegewebe zu „begradigen“, „verlängern“, „lösen“ oder zu „verbessern“, da angenommen wird, der menschliche Körper sei aus dem Gleichgewicht geraten oder „schief“ und dies sei die Hauptursache für Schmerzen. Obwohl diese Erklärungen leicht vermittelbar und gut vermarktbar sind, entspricht die zugrunde liegende Theorie nicht mehr dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Umfassende Untersuchungen haben überzeugend gezeigt, dass strukturalistisch orientierte Massagetechniken keine nachweisbare Wirkung haben. 18, 29, 30
Faszien, die das muskuläre und bindegewebige System des Körpers durchziehen, zeichnen sich außerdem durch eine extreme mechanische Robustheit aus. Faszien weisen eine Zugfestigkeit von 3.000 bis 9.000 Newton pro Quadratzentimeter auf, was weit über den Kräften liegt, die manuell durch Therapeuten erzeugt werden können, welche händisch bei höchstens 350 Newton liegen.28
Auch bei der Behandlung von Narbengewebe zeigen Studien, dass Massage die Struktur nicht direkt verändern kann. Narbengewebe ist ähnlich robust und erfordert andere Reize, um funktionelle Verbesserungen zu erzielen. Faszien reagieren lediglich auf langfristige, wiederholte mechanische Belastungen (z.B. durch regelmäßiges Krafttraining) und passen sich entsprechend an.28,30
- Massage kann Triggerpunkte “lösen“.
Die Evidenz zu Triggerpunkten und deren Behandlung ist umstritten. Triggerpunkte beschreiben folgendes Phänomen – steife, schmerzenden Stellen/ Knoten im Muskel – aber ihre wahre Identität ist unklar, die Wissenschaft der Triggerpunkte ist sehr unvollständig und der Nutzen der Behandlung dieser Punkte zur Schmerzreduktion wird infrage gestellt. 17,26 Triggerpunkte kommen bei beschwerdefreien Menschen ähnlich oft vor, wie bei Menschen mit muskuloskelettalen Beschwerden. 24,25 Therapeuten sind Studien zufolge nicht in der Lage, Triggerpunkte zuverlässig zu finden und zu identifizieren.17 Die Triggerpunktmassage ist zudem noch zu 100% experimentell. Die Wissenschaft hat keine Ahnung, ob und wie es funktioniert.22, 23 Der Effekt solcher Massagen hält meist nur kurz an. Sie lösen nicht die Ursachen der Beschwerden, wie muskuläre Dysbalancen, Stress oder Bewegungsmangel sondern hemmen kurzfristig die Schmerzempfindung (Schmerz hemmt Schmerz). Ohne die Behandlung der zugrunde liegenden Probleme kehren die Beschwerden oft zurück.21 Schmerzende Massagen können bei manchen Personen sogar die Schmerzempfindlichkeit erhöhen, anstatt sie zu lindern. Das ist besonders bei Patienten mit chronischen Schmerzen ein Risiko.21
Dezember 18, 2022 @ 4:21 pm
Die Gründe kann ich sehr gut nachvollziehen. ein Physiotherapeut ist jemand ganz anderes als ein Masseur oder Heilmasseur. Ich finde die Änderung ganz gut.
Mai 7, 2023 @ 12:26 pm
Physiotherapie ist ja so viel mehr als nur eine Masssage. Vielleicht vergessen das manche Mediziner manchmal. Meine Mutter hatte lange Physiotherapie, weil Probleme mit dem Rücken hatte. Ihr ging es nach der Physiotherapie immer besser.